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Neulich in der U-Bahn …

… endlich Feierabend, wie gefühlte zwanzigtausend Menschen auch – und natürlich wollen alle diese eine und keine andere U-Bahn erwischen. So hat die abendliche Heimreise immer etwas von einer Sardinenbüchse. Aber das ist der Großstädter von heute gewöhnt, man kommt sich nahe, ohne es eigentlich zu wollen.

Ebenso unfreiwillig fällt an diesem Abend der Blick eines Typs über die Schulter seines Nebenmannes, er liest das Wort „Prozessoptimierung“ im Titel des Leitartikels einer großen deutschen Zeitung und stutzt.

Hm, wie lassen sich Prozesse optimieren? Sicherlich ein großes Thema – bei genauerem Nachdenken nicht nur für gewinnorientierte Firmen, sondern auch für genussorientierte Alltagsmenschen. So zum Beispiel beim Einkaufen: Prozessoptimierung an der Kasse, erst die Konservendosen in die Einkaufstasche, dann die Tomaten und Eier. Oder im partnerschaftlichen Bereich: „Schatz, lass mich nach oben, Prozessoptimierung!“ Oder eben bei der Fahrgastabwicklung im öffentlichen Nahverkehr – der prozessuale Dauerbrenner: die üblichen „Verzögerungen im Fahrplanablauf“ mit nervenaufreibenden Verspätungen bei allen Linien.

Am besten, man geht gar nicht erst mehr als unbedingt nötig aus dem Haus! Warum auch? Heutzutage lässt sich eh fast alles vom heimischen PC aus regeln. Aber nein, auch hier lauern die Tücken der ständig zu optimierenden Elektronischen Datenverarbeitung. Windows gibt z. B. eine Anleitung heraus, wie man den Startvorgang beschleunigen und zudem völlig neue Funktionen entdecken kann. Wie, Sie wussten nicht, was Ihr PC alles kann!? Dann wird´s aber Zeit! Wer nicht zurückbleiben will, das teuer angeschaffte Gerät optimal nutzen möchte, muss dranbleiben. Außerdem könnte man immerzu den neuesten Schadsoftware-Scanner mit optimierter Erkennungsleistung installieren. Dabei fragt man sich die ganze Zeit, wie sich die schädliche Wirkung von Feierabendverkehr auf den hochintegrierten menschlichen Prozessor (sprich, das Hirn) abfangen ließe. Apropos CPU, den Fahrplanablauf können sie nicht optimal regeln, aber mehrere Milliarden Transistoren auf eine wenige Quadratzentimeter kleine Fläche packen – womit wir wieder bei der Sardinenbüchse wären.

Der Zeitungsfremdlesende wendet sich ab, als die U-Bahn die nächste Haltestelle anfährt, wo sich offenbar der Rest der Stadt auf dem Bahnsteig drängt. Manche Prozesse lassen sich vielleicht nicht optimieren … aber überbrücken? Der Typ kramt die Kopfhörer seines mp3-Players aus der Jackentasche und dreht die Lautstärke voll auf. Black Eyed Peas, tolle Musik. Dabei versucht er zu ignorieren, dass er sich schon lange das neue Album der Black Eyed Peas kaufen will. Prozessüberbrückung … aber auch hier gibt es kein Entkommen: to be updated.

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