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Urknall reloaded?

Ich schreibe, weil ich demnächst Geburtstag habe. Es ist ein runder, der wievielte, verrate ich nicht. Eigentlich schreibe ich auch gar nicht deswegen, sondern weil mir aufgefallen ist, dass sich 2012 eine ganze Menge gerundet hat.

Charles Dickens wäre dieses Jahr 200, Jeanne d´Arc 600 Jahre alt geworden. So was kann man schon mal wissen. Außerdem wurde vor 100 Jahren die Nofretete gefunden. Muss man vielleicht nicht unbedingt wissen. Das Fürstentum Liechtenstein gibt´s jetzt 300 Jahre, na, also wen´s interessiert. Das sind die guten Nachrichten. Die schlechten sind, dass Karl May jetzt 100 Jahre tot ist. Wir sprechen hier immerhin von Winnetous Schöpfer! Genauso wie Bram Stoker, bekannt als der Schöpfer Drakulas, des Anti-Winnetous sozusagen.

Diese Liste ließe sich fortsetzen, aber ich möchte jetzt endlich zum Thema kommen. Gar nicht so rund läuft´s nämlich dieses Jahr noch für uns alle. Filmen darf man nicht glauben, das wissen wir spätestens seit dem vom Terminator prophezeiten Weltuntergang (29. August 1997). 2012 ist noch so ein Apokalypse-Film, aber im Gegensatz zu Terminator bürgen hier ja die gar nicht fiktionalen Mayas für das Ende allen Lebens am 21.12.2012.

Zugegeben, im Gegensatz zum Jahrtausendwechsel, wo alle Welt Panik schob, ob die Computer den Sprung von 99 auf 00 auch hinkriegen, ist der Jahrgang 2012 nichts Rundes. So ein Weltuntergang ist ja auch ´ne verflixt unrunde Sache. Okay, die Erde ist rund, das wird kein aufgeklärter Mensch heute mehr bezweifeln – sagen wir, der Kreis schließt sich, Urknall reloaded sozusagen.

Ich weiß nicht, ob ich die Mayas ernst nehmen soll, aber so ganz ignorieren kann ich´s nicht. Infolgedessen beschäftigen mich auch noch andere Sachen. Zum Beispiel die Frage, ob es vor dem 21.12. das neue iPad gibt. Bevor ich überhaupt begriffen habe, dass Nummer 3 auf dem Markt war, wurd´ ja schon die Nummer 4 angekündigt – und jetzt hocke ich mit der Nummer 2 herum und weiß echt nicht, was ich mir zu meinem runden Geburtstag noch alles wünschen soll! Wär ja zu blöd, wenn sich die Mayas vertan hätten, wenn sich ein Datenverarbeitungsfehler sozusagen eingeschlichen hätte, und ich hab mir anstelle eines letzten Wellnesswochenendes das iPad 4 schenken lassen – und der angebissene Apfel hat plötzlich noch ´ne Zunge, die er mir am 22.12. rausstreckt, weil´s kurzfristig zum überraschend doch stattfindenden Weihnachtsgeschäft das neue iPad gibt!

Wie machen das die Software-Hersteller eigentlich? Gehen die von einer grundsätzlichen globalen Unendlichkeit aus?

Apropos Unendlichkeit bzw. Unsinkbarkeit, noch ´n Jubiläum, vor 100 Jahren ist die Titanic gesunken und wurde zur ewigen Metapher für die Technikgläubigkeit des Menschen. Taugt doch aber auch als Metapher für die grundsätzliche Fehlbarkeit des Menschen, oder? Und die Mayas waren ja schließlich Menschen. Und die, die neuerdings ihren Kalender interpretiert haben, auch.

Und ich bin auch nur ein Mensch, ein technikgläubiger, deswegen sollte ich mir so schnell wie möglich das aktuelle iPad zulegen. Dann kann kommen, was will, Eisberg, Sonneneruption, künstliche Intelligenz, Drakula – ich bin wunschlos mit dabei.

cu Nettie

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